Gedanken

Meine Texte zu den Gedenkandachten

Tag X

Egal wo, egal wann, egal wie –
die Nachricht war immer die gleiche –
Dein Kind ist tot!

Mit einemmal fühlst du dich hineingeworfen in diesen Irrgarten. Du stehst da; alles sieht gleich aus – Wände, Ecken, Dunkelheit, Kälte, Härte – und kein Ausgang. Wo sollst du hin? Willst du überhaupt irgendwohin? Wie willst du den Ausgang finden?

Deine Gefühle: Ohnmacht, Angst, Fassungslosigkeit, Wut, Leere – alles Gefühle der Trauer !!!

und du mittendrin?

Aber du bist nicht allein. Da sind noch die anderen, die genau wie du, nichts sehen, weil sie im dunkeln stehen.

Vielleicht ist da aber jemand bei dem sich die Dunkelheit schon etwas gelichtet hat. Wenn du möchtest, dann sprich ihn an und er kann dir den Weg aus dem Irrgarten zeigen.

Dann stehst du vor einem neuen Weg. Dieser Weg führt dich in ein Labyrinth. Auch dort ist der Weg nicht immer leicht zu erkennen, aber dort ist es heller, vielleicht scheint dort auch schon die Sonne. Diese Wege sind nicht immer einfach, aber sie haben keine Ecken mehr, wenn du irgendwo anstößt tut es nicht mehr so weh.

Du wirst immer mal wieder feststellen, das der Weg den du genommen hast nicht dein richtiger Weg ist. Dann kehr einfach um und nimm einen anderen. Mit jedem Schritt den du tust, auch mit den vermeintlich falschen, wird es ein bisschen heller.

Und – auf dem Weg zur Mitte des Labyrinths findest du wieder Leute wie dich und mich. Geh mit ihnen, lass dich begleiten – zur Mitte des Labyrinths, wo du Dich findest, deine Mitte, deine Ruhe, deine innere Kraft und Stärke –

Und vielleicht auch Gott !

(Sandra Kollwitz)

Gedenkzeit Dezember 2010

STILLE

Als ich heute in diese Kirche kam – war sie da.
Als meine Kinder gestorben sind – war sie da.

Im Krankenhaus, auf dem Friedhof – ist sie da.

An den vielen Tagen, wenn man besonderst merkt dass jemand fehlt – ist sie da.

Sie ist aber auch da, wenn niemand sich erinnert,
wenn niemand dich anspricht, niemand IHRE Namen ausspricht.

Manchmal suchen wir sie; oft sind wir traurig, dass es sie gibt.

Mal ist sie wohltuend, mal unerträglich.

Doch es liegt an uns, wie wir mit ihr umgehen –

Mit ihr, der Stille!

(Sandra Kollwitz)

Gedanken zur Gedenk-Zeit 2011

Licht und Dunkelheit

Lange habe ich gesessen um etwas zu schreiben……….
Immer wieder bin ich aufgestanden, hab es vor mir hergeschoben. Mal war es zu
laut, mal zu leise………….mal zu dunkel, mal zu hell……….
Aber vlt. war es auch einfach nur die Angst, den Schmerz zuzulassen, sich diesem Schmerz bewusst zu stellen.

Als mein Sohn vor 16 Jahren geboren wurde lag ich einen ganzen Tag im Kreissaal. Woran ich mich ganz besonders deutlich erinnere ist, das ich immer gesagt habe: nur nicht im Dunkeln, ich will mein Kind nicht in der Nacht bekommen. Warum? Das weiß ich nicht….
Max wurde um 17.05 Uhr geboren. Im März ist es um diese Zeit auch schon dunkel, aber eben noch nicht ganz………..
Als Max dann im Sterben lag war ich die letzten Tage seines Lebens bei ihm.
Tagsüber hatte ich Hoffnung, aber immer wieder dachte ich: nur nicht im Dunkeln sterben, nur nicht nachts sterben…
Max ist vor 6 Jahren kurz vor 17 Uhr gestorben, im Januar, wieder war es dunkel, aber eben noch nicht ganz…..
Ich weiß nicht warum ich so eine Angst vor der Nacht hatte, die habe ich sonst nicht. Aber in der Nacht fühle ich mich einsam, kann niemanden zu Hilfe holen, fühle mich allein……
Wenn es dann dämmert und ich höre die Vögel zwitschern, dann weiß ich, jetzt kommt der Tag, gleich wird es hell.
So geht es mir auch mit meiner Trauer mit meiner Traurigkeit.
Wenn es mir ganz schlecht geht, dann ist es dunkel um mich herum, ich bin allein, fühle mich hilflos.
ABER ich wei heute: nach einer dunklen Nacht kommtein neuer Tag und mit dem Tag auch die Helligkeit ,vielleicht auch die Sonne, aber auf jeden Fall das Licht, auch wenn es manchmal nur das Licht einer Kerze ist, weiß ich, es wird
wieder hell!